Was zählt überhaupt als Hilfsmittel?
Medizinisch-technische Mittel, die eine Einschränkung ausgleichen oder eine Behandlung sichern, die Bandbreite ist enorm.
Sehhilfen Brillen, Kontaktlinsen, Sehhilfen nach OP.
Hörgeräte Moderne digitale Hörsysteme, Zubehör.
Prothesen & Orthesen Arm-/Beinprothesen, Stützapparate, Bandagen.
Mobilität Rollstühle, Rollatoren, Gehhilfen.
Therapiegeräte Inhalations-, Blutzucker- & Messgeräte.
Einlagen & Bandagen Maßeinlagen, Kompression, Stützmittel.
Nach diesen Hilfsmitteln frage ich
Nach der Hilfsmittel-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses sind Hilfsmittel Gegenstände, die im Einzelfall nötig sind, um den Erfolg einer Behandlung zu sichern, einer drohenden Behinderung vorzubeugen oder eine Behinderung auszugleichen. Allgemeine Gebrauchsgegenstände des täglichen Lebens zählen nicht dazu.
Welche davon ein Tarif erstattet, steht im Katalog. In meinem Fragebogen „Erste Leistungskriterien“ gehe ich sie einzeln durch:
| Gruppe | Hilfsmittel |
|---|---|
| Lebenserhaltende Hilfsmittel | künstliche Ernährung, Nährmittel und Nährstoffe, Atemüberwachungsmonitor, Sauerstoffkonzentratoren und Beatmungsgeräte, Schlafapnoegeräte, Stoma-Versorgungsartikel, Heimdialysegerät |
| Körperersatzstücke | Arm- und Beinprothesen, Kunstglieder, Brustprothesen, Kunstaugen, Epithesen, Haarersatz |
| Weitere Hilfsmittel | Krankenfahrstühle ohne Beschränkung auf die handbetriebene einfache Ausführung, Blindenhund, Hörgeräte, künstlicher Kehlkopf, orthopädische Schuhe |
Zu jeder Gruppe gehört eine zweite Frage: Erstattet der Tarif ohne Einschränkung, oder muss das Hilfsmittel über den Versicherer gekauft oder gemietet werden? Einige der weiteren Hilfsmittel sind nur in vollständig offenen Katalogen versichert.
Welche davon dein Tarif erstattet, sehe ich in deinen Bedingungen nach. Hilfsmittel im Tarif prüfen lassen
Quellen: Fragebogen „Erste Leistungskriterien zur Auswahl der geeigneten Privaten Krankenversicherung“ (versichert.richtig); Definition nach der Hilfsmittel-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses, zitiert in der Schulungsunterlage „Hilfsmittel, Arzneimittel, Auslandsbehandlungen und Rücktransporte“ (Allianz, April 2024).
Offener oder geschlossener Katalog
Eine feste Liste Nur was auf der Liste steht, wird erstattet. Diese Listen sind oft veraltet, moderne Versorgung fehlt. Was nicht drinsteht, zahlst du selbst.
Offener Katalog · Alles medizinisch Notwendige Keine starre Liste, auch neue Hilfsmittel der Zukunft sind automatisch mitversichert. Das ist der Tarif, den du willst.
Eine Liste wird wörtlich gelesen
Wie ernst ein geschlossener Katalog gemeint ist, zeigt ein Fall vor dem Bundesgerichtshof. Ein Versicherter mit einer Fußheberschwäche brauchte ein Gerät, das den Nerv im Bein mit elektrischen Impulsen anregt, damit er den Fuß wieder anheben kann. Sein Tarif zählte die erstattungsfähigen Hilfsmittel abschließend auf, darunter „orthopädische Stützapparate“.
Der Versicherer zahlte nicht, und er bekam recht. Ein Stützapparat ist nach dem Sprachgebrauch des täglichen Lebens ein mechanisches Gerät, das Gewicht oder Kräfte aufnimmt. Ein Gerät, das nur Impulse sendet, stützt nichts. Dass es denselben Zweck erfüllt, reichte nicht (BGH, Beschluss vom 05.07.2017, IV ZR 116/15).
Der BGH hat dabei auch festgehalten: Ein geschlossener Katalog ist wirksam, selbst wenn der Schutz damit unter dem der gesetzlichen Kasse liegt. Außerhalb des Basistarifs muss ein privater Tarif das GKV-Niveau nicht erreichen. Für dich heißt das: Bei einem geschlossenen Katalog zählt der genaue Wortlaut jeder Position, nicht die Frage, ob ein Gerät dir hilft.
Drei Fallen, die teuer werden
Auch ein offener Katalog nützt wenig, wenn diese Begrenzungen im Tarif stehen. FALLE 1 „Einfache Ausführung“ Erstattet wird nur das Basismodell, moderne Technik zahlst du drauf. FALLE 2 Zeitlimits Neue Brille oder Hörgerät nur „alle 3 Jahre“ oder „einmal pro Jahr“. FALLE 3 Summen-Deckel Fester Euro-Höchstbetrag pro Hilfsmittel oder pro Jahr.
Beispiel Rollstuhl Ein elektrischer Rollstuhl kostet schnell mehrere tausend Euro. Mit Summendeckel zahlt der Tarif nur einen Bruchteil. Den Rest zahlst du selbst
So sehen Summendeckel in einem Einsteigertarif aus
Bei Hilfsmitteln steht selten „100 %“ ohne Zusatz. Meist steht ein Höchstbetrag je Hilfsmittel daneben. Aus der Merkmalsübersicht eines Einsteigertarifs:
| Hilfsmittel | Höchstbetrag |
|---|---|
| Hörhilfen | 1.000 € |
| Sprechhilfen | 1.000 € |
| Krankenfahrstühle | 12.000 € |
| Arm- und Beinstützapparate | je 15.000 € |
Beim Hörgerät wird es konkret. Ein gutes Paar liegt schnell über einer solchen Grenze. Zum Vergleich: In der Allianz MeinGesundheitsschutz sind es 1.500 € je Ohr in der Stufe Plus und 3.000 € je Ohr in der Stufe Best.
Welche Deckel in deinem Tarif stehen, sehe ich für dich nach, bevor du einen Kostenvoranschlag unterschreibst.
Quellen: Merkmalsübersicht eines Einsteigertarifs, Stand 2024. Allianz, Steckbrief MeinGesundheitsschutz, Stand 10.02.2024.
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Prüfen →Verordnung, Kostenvoranschlag, Zusage
Ein Hilfsmittel läuft in der PKV anders als ein Arztbesuch. Drei Schritte entscheiden, ob du dein Geld bekommst.
1 · Die Verordnung
Nach den Musterbedingungen müssen Hilfsmittel von einem Arzt verordnet sein (§ 4 Abs. 3 MB/KK). Ein Hörgerät, das du ohne Verordnung beim Akustiker kaufst, steht damit auf wackligen Beinen. Ob der Tarif zusätzlich eine Begründung für genau dieses Modell verlangt, ist tarifabhängig.
2 · Der Kostenvoranschlag
Bei teuren Hilfsmitteln wie einem Elektrorollstuhl, einer Beinprothese oder einem Hörsystem gibt es vorher einen Kostenvoranschlag vom Sanitätshaus oder Akustiker. Er ist die Grundlage für alles Weitere.
3 · Die Zusage vor dem Kauf
Kostet eine geplante Heilbehandlung voraussichtlich mehr als 2.000 Euro, kannst du vorher in Textform Auskunft verlangen, was dein Versicherer übernimmt. Er muss innerhalb von vier Wochen antworten, bei dringenden Fällen spätestens nach zwei Wochen, und auf den Kostenvoranschlag eingehen. Schweigt er, wird vermutet, dass die Behandlung notwendig ist (§ 192 Abs. 8 VVG). Unabhängig davon lässt sich bei jedem teuren Hilfsmittel vorab eine schriftliche Zusage einholen. Bei einem teuren Hilfsmittel stelle ich diese Anfrage mit dir, bevor irgendetwas bestellt wird.
Auch mit Zusage prüft der Versicherer den Umfang. Geht eine Versorgung über das medizinisch notwendige Maß hinaus, kann er seine Leistung auf einen angemessenen Betrag kürzen (§ 5 Abs. 2 MB/KK). Ob dein Tarif Miete statt Kauf, Reparaturen, Wartung oder Batterien übernimmt, ist tarifabhängig.
Worauf du im Tarif achtest
✓ Offener Hilfsmittelkatalog ✕ keine „einfache Ausführung“ ✕ keine Zeitlimits ✕ keine Summenbegrenzung
Lass dir die Hilfsmittel-Klauseln deines Tarifs zeigen, bevor du unterschreibst, ich prüfe sie mit dir kostenlos.
Wie die gesetzliche Kasse es regelt
In der GKV steht der Anspruch im Gesetz: Versicherte haben Anspruch auf Hörhilfen, Körperersatzstücke, orthopädische und andere Hilfsmittel, die im Einzelfall erforderlich sind (§ 33 SGB V). Einen Katalog im Vertrag gibt es dort nicht. Dafür gibt es andere Grenzen.
| GKV | PKV | |
|---|---|---|
| Grundlage | Gesetz, § 33 SGB V | Dein Tarif, offener oder geschlossener Katalog |
| Zuzahlung 2026 | 10 % vom Preis, mindestens 5 €, höchstens 10 € | keine gesetzliche Zuzahlung, dafür Selbstbeteiligung und Erstattungssatz laut Tarif |
| Zuzahlung ab 2027 | mindestens 7,50 €, höchstens 15 € | unverändert, der Vertrag gilt |
| Höherwertiges Modell | Mehrkosten über das Notwendige trägst du selbst (§ 33 Abs. 1 SGB V) | je nach Tarif, siehe „einfache Ausführung“ |
| Obergrenzen | für manche Hilfsmittel Festbeträge (§ 36 SGB V) | Summen-Deckel oder Zeitlimits, falls der Tarif sie vorsieht |
Der Unterschied liegt im Kern: Was im Gesetz steht, kann der Gesetzgeber ändern. Das hat er 2004 bei den Brillen für Erwachsene getan, mehr dazu unter Sehhilfen. Was in deinem Tarif steht, kann der Versicherer nicht einseitig kürzen.
Hilfsmittel oder Pflegehilfsmittel?
Nicht jedes Hilfsmittel zahlt die Krankenversicherung. Ein Pflegebett, ein Hausnotruf oder Einmalhandschuhe für die Pflege zu Hause sind Pflegehilfsmittel. Sie kommen aus der Pflegeversicherung, soweit nicht wegen Krankheit oder Behinderung die Krankenversicherung zuständig ist (§ 40 Abs. 1 SGB XI). Für Pflegehilfsmittel zum Verbrauch gibt es bis zu 42 Euro im Monat (§ 40 Abs. 2 SGB XI).
Privat Versicherte bekommen diese Leistungen aus der privaten Pflegepflichtversicherung, die der sozialen Pflegeversicherung gleichwertig ist. Welche Stelle für ein bestimmtes Hilfsmittel zuständig ist, kläre ich im Einzelfall für dich.
Trägt dich dein Tarif, wenn du ihn brauchst?
Ich prüfe die Hilfsmittel-Bedingungen deines Tarifs, offener Katalog, keine Deckel, keine Fallen. Kostenfrei, digital und persönlich.
Unverbindliche Information, keine Rechts- oder Steuerberatung. + VERSTÄNDLICH ERKLÄRT