Grundlagen · Stand 2026

Das Optionsrecht: dein Aufstieg ohne neue Gesundheitsprüfung

Kurz beantwortet: Viele Einsteigertarife enthalten ein Optionsrecht. Nach einer festgelegten Zeit, oft nach 36 und 72 Monaten, darfst du in einen leistungsstärkeren Tarif wechseln, ohne dass deine Gesundheit erneut geprüft wird. Das Recht gilt nur an diesen Stichtagen. Wer sie verstreichen lässt, verliert es, und der Vertrag läuft einfach unverändert weiter.
Warum das zählt

Eine der wertvollsten Klauseln überhaupt.

Die PKV bewertet dich einmal, beim Eintritt. Was danach passiert, ändert deinen Vertrag nicht. Das ist der große Vorteil des Systems, und zugleich sein größtes Risiko: Wer einmal drin ist und dann krank wird, kommt zwar nie raus, aber er kommt auch nirgends besser hin.

Ein leistungsstärkerer Tarif ist normalerweise ein Neuantrag, und der bedeutet eine neue Gesundheitsprüfung. Wer in den Jahren dazwischen eine Diagnose bekommen hat, zahlt einen Risikozuschlag, bekommt einen Leistungsausschluss oder wird abgelehnt.

Das Optionsrecht hebelt genau das aus. Es ist eine im Vertrag zugesagte Erlaubnis, aufzusteigen, als wäre nichts gewesen.

Wie es funktioniert

Ein Termin, keine Zeitspanne.

Der Stichtag. Das Recht entsteht nach einer festgelegten Versicherungsdauer, oft nach 36 und 72 Monaten. Es ist kein Zeitraum, sondern ein Termin.

Die Frist. Die Umstellungserklärung muss spätestens am Vortag des Optionstermins beim Versicherer sein. Nicht am Tag selbst, nicht danach.

Wenn du nichts tust. Der Vertrag läuft unverändert weiter. Es passiert nichts Schlimmes, aber die Gelegenheit ist weg.

Wo es steht. In den Allgemeinen Versicherungsbedingungen deines Tarifs, üblicherweise in Teil III. Dort steht auch, ob dein Tarif überhaupt eines hat.

Eine Ausnahme, die man kennen muss. In seltenen Fällen enthält ein Vertrag eine besondere Vereinbarung, nach der für eine bestimmte Erkrankung doch eine erneute Gesundheitsprüfung verlangt wird. Das steht dann in deinem Versicherungsschein, nicht in den allgemeinen Bedingungen.

Die 36 und 72 Monate stammen aus dem Tarif einer Gesellschaft. Andere Tarife haben andere Termine oder gar keine Option. Deine Bedingungen entscheiden.

In echten Tarifen

Welche Termine die Gesellschaften nennen

Die 36 und 72 Monate oben sind ein Beispiel. So sehen die Fenster bei anderen Häusern aus:

Gesellschaft und TarifWann du aufsteigen kannstStand
Gothaer MediCompact Plusin MediCompact Premium nach 12, 24 oder 36 Monaten; dazu ein Recht auf eine andere Selbstbeteiligungsstufe, wenn sich dein Status ändert, etwa von selbstständig zu angestelltJuni 2022
R+V AGILin einen höherwertigen Tarif nach dem 5., 10. und 15. Versicherungsjahr, im Alter von 16 bis 50; die Selbstbeteiligung erhöhen jederzeit, senken alle 5 Jahre bis Alter 50Produktseite, September 2026
Signal Iduna privat-SIOptionszeitpunkte nach 3, 5 und 7 JahrenProduktseite, September 2026
Allianz MeinGesundheitsschutzbis zu drei kostenlose Tarifwechsel innerhalb der Serie bis zum Ende des 50. LebensjahresPressemitteilung vom 19.03.2024

Noch vor dem Eintritt: der Optionstarif

Wer heute noch nicht in die PKV kann oder will, kann sich den Gesundheitszustand von heute sichern. Ein Optionstarif erlaubt später den Abschluss ohne neue Gesundheitsprüfung, beim selben Versicherer.

Gesellschaft und TarifWas er sichertStand
DKV KombiMed Option OPT15Abschluss bis zum 49. Lebensjahr, Laufzeit bis zu 15 Jahre, je nach Alter 3,30 € bis 9,20 € im Monat; danach Vollversicherung oder Zusatzversicherung ohne neue Gesundheitsprüfung, auch für den Wechsel aus einer anderen PKV zur DKV; ersetzt den Vorgänger KOPT, Beginn frühestens am 01.10.2026Vertriebsinformation, Stand 18.09.2026
Continentale OPTION-G und OPTION-PEintritt bis Alter 50, Laufzeit 10 Jahre; OPTION-G ab 2 € im Monat (bis 20 Jahre) bis 8 € (41 bis 50 Jahre), OPTION-P ab 5 € bis 15,50 €, Vollversicherung zweifach optionierbarProduktseite, September 2026
Allianz OptionFlexiMedAbschluss bis Alter 48, Ausübung bis Alter 49Produktseite, September 2026
INTER Optierstmaliger Abschluss einer Zusatz- oder Vollversicherung und die Erweiterung eines bestehenden Vertrags; nicht gedacht für den, der schon bei einem anderen Haus privat vollversichert istSeptember 2021

Solche Fenster sind eng. Wer sie verpasst, braucht wieder Gesundheitsfragen. Welche Option dein Tarif hat und wann der nächste Termin ist, sehe ich für dich nach.

Quellen: Gothaer, Kurzpräsentation MediCompact Plus und Premium, Juni 2022. INTER Krankenversicherung, Produktsteckbrief INTER Opti, September 2021. Öffentliche Produktseiten von R+V, Signal Iduna, Allianz und Continentale sowie Allianz-Pressemitteilung vom 19.03.2024, abgerufen am 17.09.2026. DKV, Vertriebspartnerinformation „Neu: Optionstarif OPT15“, KW 38, September 2026.

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Was noch dranhängt

Ein Aufstieg kostet mehr. Zwei Dinge relativieren das.

Steuerliche Berücksichtigung. Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung sind im Rahmen der Höchstbeträge als Vorsorgeaufwendungen absetzbar. Ein höherer Beitrag erhöht den absetzbaren Anteil, soweit die Grenzen es zulassen.

Beitragsrückerstattung. In leistungsstärkeren Tarifen fällt sie häufig höher aus. Wer selten zum Arzt geht, bekommt einen Teil des Mehrbeitrags darüber zurück.

Beides sind keine Automatismen. Ob es sich rechnet, hängt an deinem Einkommen, deinen sonstigen Vorsorgeaufwendungen und daran, wie oft du Leistungen einreichst.

Was du tun solltest

Fünf Schritte.

  1. Nachsehen, ob dein Tarif eines hat. In den Bedingungen, Teil III. Wenn du sie nicht findest, frag mich, das ist in fünf Minuten geklärt.
  2. Den Stichtag notieren, sobald du ihn kennst. 36 Monate nach Vertragsbeginn ist ein Datum, an das sich niemand von selbst erinnert.
  3. Rechtzeitig entscheiden, nicht am Stichtag. Die Erklärung muss vorher da sein, und du willst vorher wissen, in welchen Tarif du wechselst.
  4. Nicht blind hochstufen. Ein Optionsrecht ist eine Gelegenheit, keine Pflicht. Wenn dein jetziger Tarif passt und du gesund bist, kannst du es verfallen lassen. Es lohnt vor allem dann, wenn sich gesundheitlich etwas verändert hat.
  5. Prüfen, ob eine Sondervereinbarung in deinem Schein steht. Sie kann die Option für eine bestimmte Erkrankung einschränken.

Nicht zu verwechseln mit dem Tarifwechsel beim eigenen Versicherer. Der gilt immer und in jedem Vertrag, verlangt bei Mehrleistung aber eine Gesundheitsprüfung. Das Optionsrecht gilt nur an seinen Stichtagen, dafür ohne.

Kurz gesagt

Das Optionsrecht ist eine Tür, die sich zweimal öffnet und dann zufällt. Sie kostet nichts, solange du sie nicht benutzt, und sie ist am meisten wert für den, der sie am dringendsten braucht.

Wer sie verpasst, merkt es erst, wenn er sie gebraucht hätte.

Unverbindliche Information, keine Rechts- oder Steuerberatung.

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